Denkmal des Monats Februar

05.02.2015. Das Wittener Jubiläumsjahr 2014 ist vorbei, aber die Serie „Denkmal des Monats“ geht weiter! Heute stellt Florian Schrader von der Unteren Denkmalbehörde im Planungsamt der Stadt Witten das „Schleusenwärterhäuschen“ vor. Jetzt, nachdem es einer Brandstiftung zum Opfer gefallen ist? Genau, jetzt erst recht. Erspürt man die Stimmung in der Stadt, so scheint eines unstrittig zu sein: Witten möchte sein Schleusenwärterhaus gerne wieder so sehen, wie es war!

Die Frage „Wann ist ein Denkmal noch ein Denkmal?“ ist deshalb sicher ein besonders spannender Teil der folgenden Ausführungen.

Schiffbarmachung der Ruhr

Aus historischer Sicht ist die Schiffbarmachung der Ruhr ein entscheidender Schritt in der Entwicklung des Güterverkehrs in Westfalen. Sie steht in Zusammenhang mit den Bemühungen der preußischen Zentralregierung in Berlin, durch Förderung der Wirtschaft und der bergbaulichen Entwicklung des Ruhrgebietes die schweren Wunden des siebenjährigen Krieges (1756-63) zu heilen. Sie setzte etwa in den frühen 1760er Jahren ein und endete als reguläre Schifffahrt um 1890.

Besonders gefördert wurde die Ruhrschifffahrt, um den Transport von Salz aus den Salinen in Unna-Königsborn zu vereinfachen. Das Salz wurde auf dem Landweg nach Herbede gefahren und von hier aus verschifft, allerdings wurde dann doch die Kohle zum meist transportierten Gut auf der Ruhr.

In den Jahren 1776-80 gelang es König Friedrich II. von Preußen trotz zahlreicher Schwierigkeiten mit den anliegenden Kleinstaaten, die Ruhr durch Anlage von Schleusen zwischen Langschede südlich von Unna und der Mündung bei Ruhrort in den Rhein durchgehend schiffbar zu machen.

Technische Schwierigkeiten lagen vor allem in dem Wechsel zwischen extrem hohen und niedrigen Wasserständen der Ruhr und in der erhöhten Gefahr der Eisbildung, die durch geringe Strömung überall dort gefördert wurde, wo Stauwehre, sogenannte Schlachten, im Strom lagen. Es handelt sich hierbei um Steindämme, die diagonal durch den Fluss gelegt wurden und so das Wasser zum Mühlenbetrieb und oder Fischfang aufstauten. Da sie sehr zahlreich waren und vielfach auf alten Rechten beruhten, mussten sie mittels Schleusen und Schleusenkanälen umgangen werden, um ein Umladen der Güter zu vermeiden.

Die Herbeder Schleuse

Durch die Herbeder Schleuse wurde auf diesem Weg die sogenannte „Herbeder Ruhrschlacht“ umfahren. Dieses Wehr geht auf die frühe Ausnutzung der Wasserkraft der Ruhr durch die Herren von Haus Herbede zurück. Der abzweigende Mühlengraben betrieb das Mühlrad an der Mühle (heute: Ruhrtal 12), diente der nahe gelegenen Kornbrennerei als Abwasserkanal, und war ausschlaggebend bei der Standortwahl des Edelstahlwerkes Lohmann, das zu den frühen Industriebetrieben Wittens gehört.

Die Herbeder Schleuse selbst wurde 1943 durch die Möhnesee-Katastrophe zerstört. Zur Sicherung der oberen Stauhaltung wurde nur das Schleusenoberhaupt wieder hergestellt. Erst 1979/80 wurde das Bauwerk vollständig wieder hergestellt. Das Schleusenbauwerk ist allerdings nicht Bestandteil des Denkmals

Das Schleusenwärterhaus

Erhalten blieb jedoch das Schleusenwärterdienstgebäude, das 1835 errichtet worden ist. Es beherbergte den Schleusenwärter, dessen Aufgaben die Aufsicht und Bedienung der Schleuse waren. Die Bauform dieser Dienstgehöfte war durch die Oberbaudeputation des preußischen Staates entwickelt worden und fand an vielen Schleusen der Ruhr Anwendung. Heute sind nur noch wenige Exemplare erhalten.

Das Haus ist typisch für die kleineren Bauten der öffentlichen Hand in Preußen. Es handelt sich um ein eingeschossiges, dreiachsiges Fachwerkgebäude unter einem Krüppelwalmdach mit Pfannendeckung. Das Gebäude wird an der Traufseite mittig erschlossen. Die Haustiefe beträgt zwei Achsen. Die Wetterseite (Westen) des Gebäudes ist verschiefert.

Wann ist ein Denkmal noch ein Denkmal?

In der Nacht vom 23. auf 24. Januar 2015 wurden weite Teile des Schleusenwärterhauses ein Raub der Flammen. Viele Menschen fragen sich, ob die Geschichte des Hauses, das selbst die Möhnesee-Katastrophe überstand, nun nach 180 Jahren zu Ende geht.

Es ist sicher noch zu früh um den Zustand der baulichen Überreste abschließend zu beurteilen. Zweifellos haben die Flammen dem Gebäude schlimmen Schaden zugefügt,  dennoch sollte man die Hoffnung noch nicht aufgeben.

Laut Denkmalschutzgesetz des Landes NRW können auch Teile von baulichen Anlagen unter Denkmalschutz stehen, soweit an deren Erhaltung und Nutzung ein öffentliches Interesse besteht. Die Art des öffentlichen Interesses ist im Gesetz genau definiert, es und muss zudem durch die Geschichte begründet sein. Hieraus ergibt sich vielleicht noch eine Chance für die stehen gebliebenen Bauteile des Schleusenwärterhauses.

Des Weiteren kann bei einem Haus, bei dem sich der Denkmalcharakter im Wesentlichen aus einem Teil der baulichen Anlage ergibt, auch die Unterschutzstellung des gesamten Gebäudes in Betracht kommen, wenn die aus der Zeit der Errichtung stammende Bausubstanz der übrigen Teile weitgehend noch erhalten ist und mit den neuen Teilen einen Funktionszusammenhang ergibt.

Es bleibt somit ein Hoffnungsschimmer, dass das Schleusenwärterhaus denkmalgerecht wiederhergestellt werden kann und der Stadt Witten als Baudenkmal erhalten bleibt. Zunächst wird das Haus aber einer sehr genauen Prüfung durch die Denkmalbehörde der Bezirksregierung Arnsberg  und dem Landschaftsverband in Münster unterzogen. Erst dann wird sich das wahre Ausmaß der Zerstörung zeigen und eine Zukunftsperspektive des Schleusenwärterhauses abzeichnen.