Rollende Redaktion stand am Wittener Schleusenwärterhaus

WAZ-Redakteur Johannes Kopps (links) moderierte die Rollende Redaktion am Schleusenwärterhäuschen. Hier sprach er gerade mit Wabe-Chef Thomas Strauch (re.), in der Mitte Susanne Fuchs von der Wittener Gesellschaft für Arbeit- und Beschäftigungsförderung. Foto: Walter Fischer
WAZ-Redakteur Johannes Kopps (links) moderierte die Rollende Redaktion am Schleusenwärterhäuschen. Hier sprach er gerade mit Wabe-Chef Thomas Strauch (re.), in der Mitte Susanne Fuchs von der Wittener Gesellschaft für Arbeit- und Beschäftigungsförderung. Foto: Walter Fischer

WAZ. Als hätte sich die Schleuse geöffnet: Trotz Regen lockte die Rollende Redaktiion 50 Besucher zum Schleusenwärterhaus. Es gab interessante Neuigkeiten. 

Das Königliche Schleusenwärterhäuschen gestern, heute und morgen stand nach dem Brand im Mittelpunkt des Baustellendialogs unserer „Rollenden Redaktion“. Rund 50 interessierte Bürger kamen am Samstag (21.3.) ans Ufer der Ruhr, um zuzuhören und sich selbst einzubringen. Redakteur Johannes Kopps moderierte.

„Nachts um drei Uhr rief mich die Feuerwehr an. Da brannte nicht nur unser Haus, sondern auch ich lichterloh“, erinnert sich Susanne Fuchs von der Wabe. Bauleiter und Architekt Thorsten Kestner sieht den Brand ganz leidenschaftslos und pragmatisch. „Das Haus ist kaputt, also reparieren wir es jetzt ordnungsgemäß.“

Damit hat die Wabe in den letzten beiden Monaten bereits begonnen. „Wieviel Denkmal ist eigentlich kaputt“, fragte der Moderator in die Runde. „Rund zehn Prozent“, schätzt Kestner. „Das Dach war allerdings komplett weg. Aus Denkmalschutz-Gründen bauen wir jetzt einen neuen Dachstuhl neben den Resten des alten.“

Das bedeutet, dass die historischen Dachbalken im Haus verbleiben. „Sie tragen in Zukunft nur sich selbst“, erklärt der Bauleiter. Richtfest könnte nach seinen Prognosen in etwa vier Wochen sein. Im Innenraum wollen die Experten dann mit einem Trockeneisverfahren dem Brandgestank und den Kokelresten zu Leibe rücken.

Die Steuerung der Schleuse ist komplett zerstört. „Wir arbeiten mit Hochdruck daran“, versichert Rainer Altenberend, Prokurist der Stadtwerke. „Aber wir benötigen individuelle Bauteile. Nichts von der Stange. Und Sonderanfertigungen kosten nicht nur Geld, sondern auch Zeit.“ Doch niemand muss auf eine Schwalbenfahrt in diesem Sommer verzichten. Das Ausflugsschiff lichtert trotzdem den Anker. „Wir fahren im Oberwasser zwischen Uferstraße und Hardenstein für den halben Fahrpreis.“

Die Ruhrschleuse ist zwar defekt, dafür öffnete der Himmel am Samstag alle Schleusen. Im strömenden Regen rückten die Zuhörer ein Stück näher zusammen. Heißen Kaffee gab es in der hölzernen Doppelgarage, die provisorisch für die Gastronomie aufgebaut wurde. Diese könne doch später als Unterkunft und Materiallager für die Fährenbesatzung genutzt werden, war im Publikum zu hören.

Auch Dieter Koch (76) meldete sich zu Wort. Schon seit seiner Kindheit ist er dem Schleusenhaus sehr verbunden. Im Schuppen durfte er früher sein Paddelboot abstellen. Er ärgert sich heute über zu viel Bürokratie der Denkmalbehörde. „Die Vorschriften machen manche Dinge unnötig teuer. Teure Eichenbalken unterm Dach – ist das wirklich nötig?“ fragt Koch.

Obwohl die Hausversicherung einen Teil des Brandschadens übernimmt, ist die Wabe als Betreiber des Gebäudes weiter auf Hilfe aus der Bevölkerung angewiesen. Einen Spendenlauf für den Wiederaufbau organisiert das Triathlon Team am 25. April rund um das Schleusenwärterhaus. Fest steht – der Ort wird nicht verwaisen.

WAZ-Bericht von Barbara Zabka