Hohe Bordsteinkanten bremsen Senioren aus

Eine typische Situation: Der absenkte Bordstein ist zugeparkt, Rollstuhlfahrerin Elisabeth Roth kann nicht auf den Bürgersteig der Kreisstraße gelangen.Foto: Thomas Nitsche
Eine typische Situation: Der absenkte Bordstein ist zugeparkt, Rollstuhlfahrerin Elisabeth Roth kann nicht auf den Bürgersteig der Kreisstraße gelangen.Foto: Thomas Nitsche

WAZ. 2014 lief das Projekt „Soziale Stadt Annen“ aus, in sieben Jahren wurden fünf Mio Euro in Wittens schwächelnden Stadtteil investiert. Im Anschluss möchten verschiedene Gruppen – etwa die Wabe mit ihrem Biwaq-Projekt oder die Awo mit Quartiersmanager Norbert Henke – sich weiter kümmern. Im Fokus stehen nun die älteren Annener.

Zunächst geht es um Mobilität: Wie gut können sich Senioren in Annen bewegen? Wie schwierig das sein kann, ist einem als fitter Fußgänger wenig bewusst. Bei einem Stadtrundgang prüfte gestern Rollstuhlfahrerin Elisabeth Roth eine typische Route: vom Awo-Seniorenheim Kreisstraße durch die Bebelstraße bis zum Drogeriemarkt am S-Bahnhof.

Sie begleiteten Mitglieder von Wabe, Awo und SPD, der Seniorenvertretung sowie Bezirkspolizist Bernd Sander. Solche Rundgänge soll es in nächster Zeit in vielen Ecken Annens geben. Sicherheit und Barrierefreiheit wolle man dokumentieren, die Ergebnisse gingen dann an die Stadtverwaltung. Viele der Schwachstellen sind allerdings schon lange bekannt.

Wenn Elisabeth Roth aus dem Altenheim rollt, fangen die Probleme an: Die Kreisstraße hat nur auf einer Straßenseite einen Bürgersteig. An einigen Stellen ist der Trottoir abgesenkt, genau davor parken aber häufig Autos. Das ist nichtmals die Schuld der Autofahrer, denn diese Stellen sind nicht auf der Straße – etwa mit weißen Zacken – markiert. Und: selbst kleinste Erhöhungen schaffen manche betagten Damen nicht mit ihrem Rollator.

Weiter geht es den mehrfach geflickten und holperigen Bürgersteig gen Bebelstraße. „Ich fahre sowieso immer auf der Straße“, sagt Elisabeth Roth. Mit pinkem Tuch, grell-orangefarbener Decke und Warnweste rollt sie in ihrem E-Rolli die Strecke entlang. Zur Bushaltestelle biegt sie nicht in die Straße Im Rohr ab, das Kopfsteinpflaster dort hält sie ab.

Kurz vor der Kreuzung Kreisstraße/Bebelstraße gibt es wieder etwas zu bemängeln: Die Straßenlampen verschwinden in den Baumkronen und sind schmutzig, unten kommt zu wenig Licht an. „Mit anderen Leuchtmitteln könnte man da bestimmt etwas machen“, findet Polizist Bernd Sander.

Bei einem anderen Angstraum findet auch er keine Lösung: „Bei trübem Wetter oder im Dunklen trauen sich viele Senioren nicht auf den Rheinischen Esel.“ Helles Licht neben die Ruhebänke schlägt Norbert Henke vor. „Das liegt eher an der Bevölkerungsstruktur und nicht an der Beleuchtung“, glaubt Polizist Sander. Willy Humberg, Ratsherr für Annen, bekräftigt: „Früher war es viel schlimmer in der Bebelstraße, es ist sehr viel ruhiger geworden.“

Weiter geht’s zum Bahnhof. „Der ist ganz schlimm“, winkt Elisabeth Roth ab. Fast witzig ist die Fußgängerinsel auf der Friedrich-Ebert-Straße: Der abgesenkte Bordstein der Straße befindet sich seitlich davon. „Zum Drogeriemarkt kommt man am besten über die Fußgängerampel an der Annenstraße“, sagt Bernd Sander, „gerade im Alter sollte man besser die sicheren Wege gehen“.

WAZ-Bericht von Susanne Schild