Ruhrfähre könnte bald bei Stiepel in See stechen

Bald zwischen Stiepel und Blankenstein unterwegs? Für den Verkehr in Witten war die „Hardenstein 1“ zu klein geworden. Foto: Jürgen Augstein
Bald zwischen Stiepel und Blankenstein unterwegs? Für den Verkehr in Witten war die „Hardenstein 1“ zu klein geworden. Foto: Jürgen Augstein

WAZ. Kommt die Fähre oder kommt sie nicht? Die Idee, die alte Fährverbindung auf der Ruhr zwischen Bochum-Stiepel und Hattingen-Blankenstein an Wochenenden für Ausflügler wieder aufleben zu lassen, bleibt in der Diskussion. Die Strecke befindet sich direkt hinter dem Wehr am Kemnader See an der Wittener Stadtgrenze – ein Ausflugsziel, das auch bei vielen Wittenern sehr beliebt ist.

Während der Verein Ruhrfähre weiter Geld für eine Machbarkeitsstudie sammelt und diese voraussichtlich im Spätsommer vorlegen will, hängt jetzt vieles an einer politischen Entscheidung: Denn die Ruhrauen in Stiepel sollen ab 2017 unter Naturschutz gestellt werden.

Der Landschaftsplan sieht dann lediglich das Befahren der Ruhr mit Fahrzeugen ohne Motor vor. Für eine Fähre mit Elektromotor müsste eine Sondererlaubnis her. Zum Einsatz kommen soll möglichst die alte, motorisierte Fähre „Hardenstein 1“ der Wittener Gesellschaft für Arbeit und Beschäftigungsförderung (Wabe), die für den Wittener Betrieb zu klein geworden war: Sie ist nur für 16 Personen ausgelegt, die neue Fähre, die in Witten schippert, für 45. Zuletzt war in der Diskussion, dass die Wabe den Fährbetrieb zwischen Stiepel und Blankenstein übernimmt.

Ob es dafür eine Sondererlaubnis geben wird, ist noch unklar. Die Bochumer Stadtrats-Fraktion FDP & Die Stadtgestalter macht sich für die Fähre stark. „Es ist eine charmante Idee, die alte Fährverbindung über die Ruhr, die bis 1960 Bestand hatte, mit Hilfe einer kleinen Elektrofähre wieder aufzunehmen“, so Vorsitzender Felix Haltt. Um diesen Betrieb zu ermöglichen, haben FDP & Stadtgestalter eine Anregung beim Umwelt- und Grünflächenamt eingereicht: Für den Fährbetrieb soll es eine Ausnahme geben. „Der Schutz der Natur ist in keiner Weise gefährdet, da sich die Anleger außerhalb des Naturschutzgebiets befinden“, meint Manfred Baldschus, FDP-Bezirksvertreter und Mitglied des Vereins.

Der Landschaftsplan BochumMitte/Ost (Naturschutzgebiet Ruhraue Stiepel) lag bis Mitte Juli im Zuge einer frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung im Technischen Rathaus aus. Der Entwurf soll nun überarbeitet und danach den parlamentarischen Gremien vorgelegt werden, ehe er ein zweites Mal öffentlich ausgelegt und schließlich vom Rat beschlossen wird, erklärt Thorsten Lumma vom Umwelt- und Grünflächenamt. „Voraussichtlich im kommenden Frühjahr wird das soweit sein.“

Ob die Sondergenehmigung für den Fährbetrieb eine Chance hat, mag Lumma nicht voraussagen. „Die Machbarkeitsstudie wird darüber Aussagen liefern“, sagt er. „Wenn die Vereinbarkeit mit dem Naturschutz gegeben ist, spricht grundsätzlich nichts gegen einen Fährbetrieb.“ Auf Stiepeler Seite soll der Anleger „Zur alten Fähre“ als Haltepunkt dienen. Wo die Fähre in Blankenstein halten könnte, darüber machten sich die Vereinsmitglieder jetzt vor Ort ein Bild. „Zwischen dem Gelände des Rudervereins und der Mündung des Pleßbachs in die Ruhr gibt es zwei bis drei gute Standorte“, meint Klaus Thormählen, zweiter Vorsitzender. Manfred Overrath vom Heimatverein Blankenstein ergänzt: „Das Gelände des Rudervereins wird gar nicht tangiert.“ Der Ruderverein hatte zuvor Bedenken geäußert, dass ein Fährbetrieb die Wettkämpfe stören könnte.

WAZ-Bericht von Sven Westernströer