Käufer bleiben Möbelbörse nach Umzug treu

Viel zu stöbern gibt’s im Laden. Verwaltungsleiter Axel Kuhlmann zeigt einen Spiegel samt passender Kommode. Foto: Manfred Sander
Viel zu stöbern gibt’s im Laden. Verwaltungsleiter Axel Kuhlmann zeigt einen Spiegel samt passender Kommode. Foto: Manfred Sander

WAZ. Ein kleiner Möbelladen ganz weit draußen, ab vom Schuss. Kann das gutgehen? Für die Gebrauchtmöbel-Börse der Walze war der Umzug von der City raus nach Rüdinghausen ein Risiko. Verwaltungsleiter Axel Kuhlmann gibt zu: „Wir hatten vorher große Befürchtungen, aber heute können wir sagen: Die Wahl des neuen Ladenlokals war goldrichtig.“

Die Eingangstür des 650 Quadratmeter großen Ladens an der Kreisstraße steht kaum still an diesem Vormittag, es ist ein reges Kommen und Gehen: 80 bis 100 Kunden täglich finden den Weg zur Möbelbörse. „Wir machen mindestens so viel Umsatz wie vorher in der Bahnhofstraße“, so Kuhlmann. Die Stammkunden seien der Walze treu geblieben. „Und wir haben tatsächlich viele neue aus dem Umland dazugewonnen.“ Dortmunder vor allem, die Stadtgrenze ist schließlich nur einen Steinwurf weit entfernt.

Studenten kommen vorbei und Schnäppchenjäger, Laufkundschaft und Sammler, die gezielt nach alten Stücken schauen: „Manche kommen alle 14 Tage vorbei, um zu sehen, was es Neues gibt.“ Wer nichts verpassen will, muss oft vorbeischauen: „So ein Ledersofa ist in der Regel nach zwei Wochen weg – und manchmal werden die Möbel schon verkauft, während wir noch aufbauen“, sagt der Walze-Verwaltungsleiter. Wer da zu spät kommt, hat Pech gehabt: „Nachbestellen ist bei uns nicht.“ Die Ware stammt schließlich aus Wohnungsauflösungen, manches ist zudem gespendet: Einzelstücke also.

Die Vorstellung, es kauften vor allem Sozialschwache hier ein, sei grundverkehrt, versichert Verkäuferin Silke Kreitz. „Es kommen alle: Reiche und Arme, querbeet.“ Auch der Altersdurchschnitt sei kaum zu benennen: Sie verkaufe junge Möbel an Alte und alte an Junge. „Die mögen es ja sehr, etwa eine Chippendale-Kommode mit einem modernen Teil zu kombinieren.“

Wer Lust hat zu stöbern, der kann fündig werden: Omas Sofa steht neben einer angesagten Kommode im Kolonial-Stil, der alte Rumtopf auf dem Esstisch mit den flotten Rattan-Stühlen. Günstig ist alles: Ein dreiteiliges Ledersofa gibt’s für 330 Euro, die Waschmaschine für 200, ein goldenes Mokka-Service für 13 Euro – runterhandeln erlaubt.

Einem älteren Herrn aus Herdecke hat es an diesem Vormittag eine Stereoanlage für 65 Euro angetan. „Da überlege ich gerade“, sagt er und dreht an den Knöpfen – doch seine Frau bremst: „Eigentlich wollten wir doch nach einem Schlafzimmerschrank gucken.“ Auch Viola Norwidat schlendert zum wiederholten Mal durch die Gänge. Kaufen will sie jedoch nichts, sie spendet lieber regelmäßig Hausrat für die Börse: „Uns geht es jetzt gut“, sagt die Stockumerin. Aber sie wisse noch, was es heißt, mit wenig auskommen zu müssen. „Für die, die wenig haben, ist so ein Laden goldrichtig.“

Die Möbelbörse an der Kreisstraße 128 ist mo. bis fr. von 9.30 bis 18 Uhr, sa. von 10 bis 15 Uhr geöffnet. Wer Möbel spenden will oder eine Wohnungsauflösung plant: 69 81 51

Zum Team der Möbelbörse gehören viereinhalb Stammkräfte und rund 20 Langzeitarbeitslose, die sechs bis zwölf Monate hier arbeiten, u.a. in Transport, Aufbereitung und Ab- und Aufbau.

WAZ-Bericht von Britta Bingmann