Baba Ghanousch ersetzt die Bratwurst

Syrische Flüchtlinge kochen am Schleusenwärterhaus Gerichte aus ihrer Heimat: Olivia, Ayda 3, Hiven, Abdulrahman, Akram und Ayman.Foto: Barbara Zabka / Funke Foto Services
Syrische Flüchtlinge kochen am Schleusenwärterhaus Gerichte aus ihrer Heimat: Olivia, Ayda 3, Hiven, Abdulrahman, Akram und Ayman.Foto: Barbara Zabka / Funke Foto Services

WAZ. Mittags, vor dem Schleusenwärterhaus in Heven: Hungrige Radfahrer und Spaziergänger sitzen unter den Bäumen am Ruhrufer. Brigitte Hoppe ließt konzentriert die Speisekarte. Statt der obligatorischen Pommes mit Currywurst stehen heute schwierige Wörter wie „Fatousch“ und „Baba Ghanousch” auf dem Plan. Die 63-Jährige entscheidet sich für einen Lammspieß und gibt ihre Bestellung an einer kleinen Holzbude auf. Innen haben sich die fünf Gastköche aus Syrien und dem Irak eingerichtet. Akram (40) steht am Grill und wendet das brutzelnde Fleisch. Die Frauen stehen am Holztresen und schnippeln Berge von Paprika und Tomaten.

Seit drei Wochen kochen die fünf Flüchtlinge jeden Donnerstag und Freitag für die Besucher am Schleusenwärterhaus. Montags und dienstags steht dafür Sprachunterricht auf dem Programm. Das Ganze ist eine Aktion des Förderzentrums „Sprache & Beschäftigung“. In vier verschiedene Betriebe dürfen die anerkannten Flüchtlinge in der Zeit der Projekts schnuppern. Mindestdauer eines Praktikums ist zwei Wochen, die meisten verlängern.

Auch Hiven (33) aus Damaskus fühlt sich an ihrem neuen Arbeitsplatz wohl. Sie schneidet Zitronen für einen der frischen Salate. Zwischen den Töpfen und Pfannen flitzt auch Töchterchen Ayda umher. Die Dreijährige ist Liebling des gesamten Küchenteams. Neugierig untersucht sie alles, was sie nicht kennt. Dabei hat sie einen neuen Lieblingssatz gelernt: „Was ist das?“

Die fremden Speisen kommen bei den Ausflüglern gut an. „Der Spieß war wirklich köstlich“, gibt Brigitte Hoppe ihr Urteil ab. „Alles schmeckt frisch und liegt nicht so schwer im Magen wie unser deutsches Fastfood.“ Nach der Stärkung geht es für die 63-Jährige und ihre Radler-Truppe weiter auf dem Ruhrtalradweg Richtung Wetter.

„Eigentlich hatten wir uns Picknick-Stullen geschmiert“, erzählt eine andere Radfahrerin. „Aber dann sah das Essen so gut aus, dass wir uns nochmal umentschieden haben.“

Die fünf Köche ernten viel Lob für die Speisen. Ann-Kristin (21) ist studentische Hilfskraft des Projekts und übersetzt die anerkennenden Worte der Gäste ins Arabische. Gemeinsam mit Hausleiterin Esther Sennlaub hilft sie auch beim Kassieren und schwierigen Bestellungen. „Ich finde es toll, so lebensnah mit Flüchtlingen zu arbeiten – abseits von den ganzen theoretischen Kursen“, erzählt Ann-Kristin. „Na ja, und das gute Essen war auch ein Anreiz“, fügt die Studentin lachend hinzu.

„Wir sehen die Flüchtlinge nicht als geduldete Gäste“, erklärt Projektleiterin Manuela Leupold vom Förderzentrum „Sprache & Beschäftigung. „Sie reichen ein Stück ihrer Kultur und Heimat weiter. Das ist für beide Seiten wunderschön.“

Das vom Jobcenter geförderte Zentrum bietet Projekte für erwachsene, anerkannte Flüchtlinge an. Ziel ist dabei die berufliche Eingliederung und handlungsorientierter Sprachunterricht.

Träger des Zentrums sind die Wittener Wabe, die AWO und das Deutsche Rote Kreuz.

WAZ-Bericht von Mirjam Benecke