Langzeitarbeitslose sollen mehr Chancen bekommen

Im Jobcenter Witten. Ende August 2016 bezogen 1795 Menschen in der Stadt Hartz-IV-Leistungen. Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services
Im Jobcenter Witten. Ende August 2016 bezogen 1795 Menschen in der Stadt Hartz-IV-Leistungen. Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services

WAZ. Das Wittener Jobcenter begrüßt eine Initiative von Landräten und Oberbürgermeistern für Langzeitarbeitslose. Ende August gab es in Witten 1963 Betroffene, von denen 1795 Hartz-IV-Leistungen bezogen haben.

Im EN-Kreis waren zu diesem Zeitpunkt 4636 Menschen langzeitarbeitslos, 4093 erhielten Arbeitslosengeld II. Man denke darüber nach, „Menschen in gesellschaftlich relevanten Bereichen für Aufgaben einzusetzen, für die es den Bedarf, bisher aber keine Finanzierung gibt“, heißt es in einem Brief Schades und seiner Mitstreiter an Bundeskanzlerin Angela Merkel, die man in dieser Sache um Unterstützung bittet.

Steffen Louis, stellvertretender Leiter des Wittener Jobcenters, weiß aus der Praxis: „Ab 55 ist das Risiko deutlich erhöht, von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen zu sein.“ Vor allem Menschen mit geringer Qualifikation hätten wenig Chancen, einen Job auf dem ersten Arbeitsmarkt zu finden. Louis: „Und viele Langzeitarbeitslose sind gering qualifiziert.“

Das Jobcenter biete daher entsprechende Maßnahmen an. „Wir fördern die berufliche Weiterbildung, wenn jemand keine abgeschlossene Berufsausbildung hat.“ Seien Menschen motiviert, „gibt es für sie bei uns einen Strauß von Möglichkeiten. Aber diese werden nicht immer genutzt“. Und natürlich gebe es auch „eine Reihe von Leuten, die sich in ihrer Situation eingerichtet haben, deren Anspruch nicht ist, dauerhaft Arbeit zu finden“, so Louis. „Viele haben den Glauben an sich verloren und sehen in manchen Dingen keinen Sinn mehr. Langzeitarbeitslosigkeit bleibt nicht ohne Folgen für die Psyche.“

Ein großes Problem bei der Vermittlung der Menschen sei auch, „dass die Wirtschaft sich in den letzten Jahrzehnten deutlich verändert hat“. Arbeitsangebote für Geringqualifizierte, Helfertätigkeiten, gebe es kaum noch. Louis: „Es ist öffentliches Geld notwendig, um neue Beschäftigungsverhältnisse für Langzeitarbeitslose zu schaffen, die der Allgemeinheit zugute kommen.“ Nicht zuletzt sei ein Umdenken in der Wirtschaft notwendig. „Denn Menschen, die 50 plus sind, wieder in Arbeit zu vermitteln, ist häufig sehr schwierig.“

Susanne Fuchs, Projektkoordinatorin bei der Wittener Gesellschaft für Arbeit und Beschäftigung (Wabe), würde sich über mehr Geld für die Beschäftigung von Langzeitarbeitslosen freuen. 20 sind derzeit bei der Wabe in sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnissen – finanziert durch Landesmittel. Die Menschen arbeiten in der Gastronomie im Schleusenwärterhaus und im Herbeder Zollhaus, in der Radstation Witten, bei der Möbelbörse der Wabe, im Garten- und Landschaftsbau. „Wir können die Leute aber nur für zwei Jahre beschäftigen, obwohl welche darunter sind, die wir gerne dauerhaft einstellen würden, wenn wir das finanzieren könnten“, erklärt Fuchs.

Die es für einen „Mehrwert für die Gesellschaft hält“, wenn mehr Menschen in Beschäftigung gebracht werden. Denn Langzeitarbeitslosigkeit koste nicht nur Steuergelder, sondern könne Betroffene auch krank machen. „Auch dann fallen Kosten für die Gesellschaft an.“

WAZ-Bericht von Jutta Bublies