Wittener Sprachtreff verbindet Geflüchtete und Ehrenamtliche

Der, die, das. Foto: Jürgen Theobald
"Der, die, das." Foto: Jürgen Theobald

WAZ. Marianne Wissel und Burhan Alabbar beugen sich über ein Vokabelheft. „Es heißt der Teller, weil Teller ein männliches Substantiv ist“ – die ehrenamtliche Helferin zeigt auf das Bild eines Tellers, darunter steht die arabische Übersetzung. Burhan seufzt. „Im Arabischen haben wir nur den Artikel ‘al’ . Das ist leichter.“

Eine gemütliche Runde hat sich im „Alten Fritz“ in der Augustastraße zusammengefunden. Jeden Mittwoch treffen sich dort 15 bis 20 Geflüchtete und Ehrenämtler. Sie trinken Tee, sprechen deutsch und klären die ganz alltäglichen Fragen, die die Flüchtlinge mitbringen. Woher kommt der Ausdruck „Schmetterlinge im Bauch“?

Und was bedeutet das Wort „umgangssprachlich“? „Die Menschen möchten sich ungezwungen auf Deutsch unterhalten“, sagt Hartmut Jerate. „Viele besuchen Sprachkurse, aber ihnen fehlen die alltäglichen Gespräche.“ Der 55-Jährige ist seit Beginn des wöchentlichen Treffs im Oktober letzten Jahres mit an Bord.

Auch Adham Salhani kommt Woche für Woche. Der 34-Jährige floh vor zwei Jahren aus seiner Heimat in Syrien. An diesem Mittwoch hat er gute Nachrichten mitgebracht: Er hat den mündlichen Sprachtest bestanden. Jetzt muss er noch auf das Ergebnis der schriftlichen Prüfung warten.

Alle freuen sich mit Salhani, der in der Runde nur „Salami“ genannt wird. „Hartmut wollte in unserer Whatsapp-Gruppe meinen Namen schreiben und hat aus Versehen Salami statt Salhani eingetippt“, erklärt der gelernte Mechatroniker. „Seitdem ist Salami mein Kosename.“

Alle sechs bis acht Wochen plant die Gruppe eine besondere Aktion. Einmal hat Salhani den Kochlöffel für alle geschwungen und syrische Spezialitäten wie Hummus, einen Brei aus Kichererbsen, Fattusch als Salat oder Baba Ganoush, eine Art Auberginenpaste, zubereitet.

Ein anderes Mal hat Moafak einen Vortrag über die schönen und schlimmen Seiten Syriens gehalten. „Der Abend war sehr berührend“, sagt Carina Kuznik. „Als die Bilder von abgeworfenen Fassbomben gezeigt wurden, flossen Tränen.“

Die 27-Jährige arbeitet als Jugendreferentin in Annen. Außerdem setzt sie sich in der Flüchtlingshilfe des Evangelischen Kirchenkreises ein. Für den Sprachtreff hat sie tausend Ideen im Kopf. „Im Sommer könnten wir mit den Rädern ins Grüne oder vielleicht sogar Drachenboot fahren.“

In der nächsten Woche kommt jemand von der Verbraucherzentrale zu Besuch und beantwortet alle anstehenden Fragen. Burhan, Mohamad und die anderen sind Feuer und Flamme. In der Runde wird geplant, gelacht und sich füreinander gefreut. Das tut den Geflüchteten gut. Bei aller Lebensfreude tragen sie ihre Schicksale mit sich herum.

Burhan zeigt auf dem Handy ein Bild von seinem völlig zerstörten Ferienhaus in Damaskus. Nur eine einzelne Weinpflanze steht aufrecht in der Schuttwüste. Trotzdem ist er dankbar. „Das hier ist eine gute Sache und wir sind gern dabei.“

INFO: Sprachcafé Sadaqaheißt jeden willkommen

  • Neue Ehrenamtliche und Flüchtlinge sind gern beim Sprachtreff gesehen. Los geht’s jeden Mittwochabend ab 18.30 Uhr im „Alten Fritz“ in der Augustastraße 27.
  • Ansprechpartnerin ist Carina Kuznik. Sie ist unter der Nummer 01575-1339-246 oder per Mail erreichbar: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

WAZ-Bericht

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