Leinen los für die Ruhrtalfähre in Witten

Startklar: Decksfrau Yvonne Degner (Mitte), die Kapitäne Helmut Schönekess (re.) und Christoph Heemann warten auf die ersten Fahrgäste der Ruhrtalfähre. Foto: Barbara Zabka
Startklar: Decksfrau Yvonne Degner (Mitte), die Kapitäne Helmut Schönekess (re.) und Christoph Heemann warten auf die ersten Fahrgäste der Ruhrtalfähre. Foto: Barbara Zabka

WAZ. Der Ofen bullert, aus dem Radio kommt Smokie. Gelassen wirft Helmut Schönekess den Elektromotor an. Schon gleitet die „Hardenstein“ leise über das ruhige Wasser. Unter grauem Himmel, dafür bei guter Laune der Besatzung und ersten Fahrgäste stach die Ruhrtalfähre Freitag wieder in See.

Bis mittags zählen der 57-Jährige und seine Truppe 20 Fahrgäste, Radfahrer und Spaziergänger, die sich übersetzen lassen. Nach fünf Grad am frühen Morgen zeigt das Thermometer inzwischen knapp zehn an. „Für die erste Schicht geht das“, sagt Schönekess, einer von drei Schiffsführern, die bei der Wabe als Betreiber der Fähre fest unter Vertrag stehen. Die anderen sechs, die den Zwei-Schicht-Betrieb von morgens bis abends aufrechterhalten, sind Ehrenamtliche.

„Ich hab mich schon den ganzen Winter auf diesen Tag gefreut“, sagt Kersten Ditges (48), der den Mann am Steuer mit Kollege Stefan Arendt (48) gleich ablöst. Bis Ende Oktober wird die kleine Fahrerkabine ihr zweites Zuhause sein. Sobald die Sonne rauskommt, wissen sie aus Erfahrung, wird’s voller. Viele Fahrgäste strampeln den Ruhrtalradweg entlang, wenn sie an der Zeche Nachtigall oder umgekehrt am Schleusenwärterhaus ankommen und das Gewässer mit der „Hardenstein“ überqueren.

50 Personen finden auf der großen Fähre Platz. Wenn der Motor mal schlapp macht, liegt die kleine Hardenstein als Ersatz am Ufer bereit. Sie ist für 16 Passagiere ausgelegt. Dass es sie noch gibt, beruhigt Chefskipper Christoph Heemann. Wenn er früher wegen einer Panne rausgeklingelt wurde, kann er sich heute noch mal umdrehen. „Mit zwei Fähren arbeitet es sich wesentlich entspannter“, sagt er.

Die kleine Ausgabe bekam im Winter einen neuen Motor verpasst, bei der großen wurde die Hydraulik der Bugrampe erneuert. Heemann hofft, dass sich der Trend der letzten Jahre fortsetzt, die Zahl der Fahrgäste weiter steigern zu können – wenn das Wetter denn mitspielt. Mit 76 000 fing es 2006 an, im Vorjahr wurde mit 152 000 ein neuer Rekord aufgestellt.

Der frühe Saisonstart eine Woche vor Ostern ist auch der Weckruf für die Gastronomie im Schleusenwärterhaus. Das Angebot: wie gehabt, von Currywurst über Pommes bis Flammkuchen, vom Radler bis zum Rotwein. Es wird auch wieder einige Veranstaltungen geben. Nur der „Rock an der Ruhr“ im September werde wohl ausfallen, sagt Susanne Fuchs, seit Februar fest bei der Wabe, die auch das Schleusenwärterhaus betreibt. Bisher habe die EN-SPD den Rock organisiert. Doch diesmal habe sich niemand gefunden. Dafür gibt’s Ende April wieder Folk am Fluss.

WAZ-Bericht von Jürgen Augstein-Peschel