Gerade der Radtourismus boomt

WAZ. Tausende Ausflügler waren am Sonntag im Ruhrtal unterwegs. Es herrschten optimale Bedingungen – ob an Land oder auf dem Wasser. Auf dem Kemnader See flatterten viele Segel im Wind und auf dem Ruhrtalradweg traten die Fahrradfahrer kräftig in die Pedale. Einmal mehr zeigte sich: Die Freizeitindustrie bekommt für Witten eine immer größere Bedeutung.

Wabe-Chef Thomas Strauch sitzt an der Taler-Kasse und hat ein Lächeln auf dem Gesicht. Er freut sich übers gute Wetter, kann aber auch zufrieden sein, wie viele Wertmarken den Besitzer wechseln. „Zehn bitte“ sagen viele Ausflügler, die zum Schleusenwärterhaus gekommen sind, wo das zwölfte Radfest im Ruhrtal gefeiert wird.

Zwar stehen die Räder dicht an dicht. Aber ansonsten sitzt es sich ganz entspannt am Ruhrufer. Fahrrad-Akrobaten zeigen auf der Rampe tollkühne Sprünge, auch wenn gerade jemand „Aua“ schreit. Die Besucher im Biergarten trinken Kaffee und lassen sich Kirschstreusel schmecken. Keine Frage: Das Geschäft läuft. Den Vorwurf, hier nehme ein gemeinnütziger Verein, wie es die Wabe ja ist, möglicher kommerzieller Konkurrenz vielleicht ein Stück vom Kuchen weg, kontert Strauch locker: „Wo ist sie denn, die Gastronomie in Haus Herbede oder im Möwennest am See?“ Tatsächlich ist es in beiden Fällen bis heute nicht gelungen, neue Betreiber für die Lokale zu finden. Es würde sich wohl lohnen.

Wie sehr gerade der Radtourismus boomt, zeigt sich einmal mehr bei diesem Fest. Gefragt nach den neuesten Trends, kann man die Antwort erahnen, die Thorsten Ebenfeld (43) von „Ebi’s Fahrradservice“ gibt. „E-Bikes sind nach wie vor der Trend schlechthin.“ Sie machten bis zu 90 Prozent des Umsatzes aus, obwohl sie immer noch einige Kilo schwerer als herkömmliche Räder sind und locker zwischen 2000 und 3000 Euro kosten.

Dorothea hat sich inzwischen ein Elektrorad angeschafft. Die Rentnerin ist mit ihren Besuchern Wilfried (76) und Verena (66) aus Bergkamen gerade die Tour „Von Ruhr zu Ruhr gefahren“ gefahren, locker 60 Kilometer. Ihr Fazit: „Sobald man die Stadt verlässt, fangen die schönen Strecken an“, sagen die viel radelnden Rentner.

Witten müsse sich aber noch gehörig anstrengen, wenn es seine Bewertung beim Fahrradklima unter eine „4“ drücken wolle, sagt die Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs, Susanne Rühl, am Stand des ADFC. Positiv vermerkt sie, dass Witten jetzt mit der Erarbeitung eines Fahrradkonzeptes angefangen habe, das sie schon 2014 vorgeschlagen hätte.

„Um Kleinigkeiten umzusetzen“, so die 60-Jährige, „braucht man aber kein Konzept.“ Sie denkt da etwa an die Unfallgefahr durch Schlaglöcher. Das Geld für Verbesserungen sei doch aufgrund sprudelnder Steuern da. „Jetzt sagen die Städte, sie hätten kein Personal.“

WAZ-Bericht von Jürgen Augstein-Peschel

WAZ-Fotostrecke "12. Ruhrtal-Radfest" - Fotos von Jürgen Theobald / FUNKE

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