Wabe-Chef Strauch begrüßt Pläne zum sozialen Arbeitsmarkt

Mit Förderung zurück ins Arbeitsleben: Das Wabe-Team des Schleusenwärterhauses bei der Saisoneröffnung im März. Hinten rechts: Thomas Strauch. Foto: Barbara ZabkaMit Förderung zurück ins Arbeitsleben: Das Wabe-Team des Schleusenwärterhauses bei der Saisoneröffnung im März. Hinten rechts: Thomas Strauch. Foto: Barbara Zabka

WAZ. Eine sinnvolle Betätigung und ein strukturierter Tagesablauf – für viele Langzeitarbeitslose sind das Erfahrungen, die sie fast nur noch aus Erzählungen kennen. Der von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil geplante „soziale Arbeitsmarkt“ soll diesen Menschen eine neue Perspektive bieten und ihnen wenn möglich auch den Weg zurück in einen regulären Job ebnen.

„Ich bin sehr zufrieden damit, dass diese Zielgruppe von der Politik ins Auge gefasst wird“, sagt Thomas Strauch, Geschäftsführer der Wittener Gesellschaft für Arbeit und Beschäftigungsförderung (Wabe). Aktuell bleiben die Teilnehmer an den unterschiedlichen Programmen des Unternehmens für eine Dauer von sechs Monaten bis zwei Jahren bei der Wabe. Für viele zu kurz, findet Strauch. „Lange Arbeitslosigkeit hinterlässt ihre Spuren. Lange eingeübte Verhaltensweisen lassen sich dann nicht so schnell ausbügeln.“

Der Gesetzentwurf von Heil, der am vergangenen Mittwoch im Kabinett verabschiedet wurde, sieht unter anderem vor, dass Menschen, die in den vergangenen acht Jahren mindestens sieben Jahre lang arbeitslos waren, bis zu fünf Jahre gefördert werden können. „Sehr zufrieden“ ist Thomas Strauch mit diesem Zeitrahmen. „Das ist definitiv ein Schritt in die richtige Richtung.“

In der längeren Laufzeit der Förderung sieht Strauch denn auch „eine Menge Potenzial“ – besonders, was die Chanchen der Teilnehmer auf Jobs auf dem regulären Arbeitsmarkt angeht. „Ich hoffe, dass wer fünf Jahre gefördert gearbeitet hat, danach die gleichen Chance hat, als wäre er nicht arbeitslos gewesen“, sagt Strauch. Von den Menschen, die derzeit im Rahmen der öffentlich geförderten Beschäftigung zwei Jahre lang in den unterschiedlichen Projekten der Wabe tätig waren, finden zwischen 30 und 50 Prozent im Anschluss einen Job.

Strauch schätzt, dass rund 2 000 Personen im Ennepe-Ruhr-Kreis für die neue Förderung in Frage kommen – die meisten davon in Witten. Daher laufen bei der Wabe derzeit auch schon Überlegungen, in welchen Bereichen man mehr Menschen beschäftigen könnte: etwa bei der Möbelbörse, der Radstation, dem Ruhrtal-Service und im Garten- und Landschaftsbau. „Aber wir können das natürlich nicht endlos nach oben schrauben, es muss auch sinnvoll sein. Nichts ist schlimmer, als wenn jemand tatenlos herumstehen muss – oder direkt an seiner neuen Aufgabe scheitert“, sagt Strauch.

Ein neues Projekt ist bei der Wabe auch bereits in Planung: Voraussichtlich im März 2019 soll der Service „Haus und Hof“ starten, der kleinere Hausmeisterdienste anbieten wird. Zwei bis drei neue Anleitungs-Stellen werden dafür Ende des Jahres ausgeschrieben. Fünf bis zwölf Langzeitarbeitslose werden im neuen Projekt arbeiten. Fast zeitgleich läuft das Programm „Soziale Teilhabe“ aus, über das 27 Personen bei der Wabe gefördert werden. „Ich hoffe, dass diese Menschen länger bei uns bleiben können und in die neue Förderung übergehen“, sagt Strauch. „Das halte ich für sinnvoll.“

Genügend Sozial-Pädagogen für das Coaching der Arbeitslosen habe man bei der Wabe. „Da sind wir ganz gut aufgestellt“, so Strauch. Sorge bereitet ihm allerdings, dass der Betreuungsschlüssel schlechter ausfallen könnte, als es bislang der Fall war. Von einem Pädagogen auf 40 Arbeitslose sei die Rede. „Das ist für diese Menschen nicht ausreichend“, so Strauch.

So sehr Geschäftsführer Wabe die Pläne der Regierung begrüßt, so skeptisch ist er auch. „Jetzt kommt es auf das Kleingedruckte an“, sagt Strauch. Viele Fragen seien noch offen. Etwa, ob die Teilnehmer nach Tarif bezahlt werden oder den Mindestlohn erhalten. Auch Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände haben sich zu diesem Punkt bereits kritisch geäußert.

Über eine Zeit von vier Jahren stellt der Bund rund vier Milliarden Euro für den „sozialen Arbeitsmarkt“ zur Verfügung – das sind bis zu 24 000 Euro Lohnkostenzuschuss pro Teilnehmer und Jahr. Bis zu 150 000 neue Jobs sind geplant.

Arbeitgeber sollen in den er­sten beiden Jahren 100 Prozent des Lohnes vom Staat erhalten, danach sinkt der Zuschuss um 10 Prozentpunkte pro Jahr bis auf 70 Prozent.

Als langzeitarbeitslos gilt, wer länger als ein Jahr lang keinen Job hatte. Im Juni waren das in Deutschland rund 820 000 Menschen. Etwa jeder fünfte gilt als besonders schwer vermittelbar.

WAZ-Bericht von Stephanie Heske

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