Die Möwen haben längst den Abflug gemacht

  Das Rätselfoto, jetzt auch mit dem zuerst wegretuschierten Schriftzug „Haus Ruhrblick“: Möwen sitzen hier in den 1970er Jahren auf der Trinkwasserleitung. Foto: Davide Bentivoglio
Das Rätselfoto, jetzt auch mit dem zuerst wegretuschierten Schriftzug „Haus Ruhrblick“: Möwen sitzen hier in den 1970er Jahren auf der Trinkwasserleitung. Foto: Davide Bentivoglio

WAZ. Wo in den 70er Jahren die Trinkwasserleitung war, verbindet heute die Lakebrücke Herbede und Heven. Die Brücke hat eine lange Vorgeschichte.

Zu sehen war auf dem Rätselfoto natürlich die Ruhr – und zwar dort, wo heute die Lakebrücke Herbede und Heven verbindet. Das Rohr auf Stelzen war ein Trinkwasserversorgungsrohr von Gelsenwasser für Herbede. Die Trinkwasserversorgung übernahmen kurze Zeit später, nach der Eingemeindung nach Witten, die Stadtwerke Witten. An dieser Stelle, nur viel höher, ist heute die Lakebrücke zu sehen. Die Gebäude im Hintergrund sind die Häuser am Alten Fährweg und dem Sträßchen „In der Lake“. Die Schrift „Haus Ruhrblick“ auf dem Haus links war im Rätselbild wegretuschiert, heute befindet sich an dieser Stelle das spanische Restaurant „Picasso“.

Das Bild zeigt eine Trinkwasserverbindung. Heute steht hier die Lakebrücke. Auf dem Bild weiter rechts würde man die Brennerei Schücking sehen, heute sind hier Eigentumswohnungen. Wenn man flussaufwärts geht, überspannte oberhalb der Schleuse Heven eine Gasleitung die Ruhr. Michael Röder

Das ist eine Wasserleitung nach Herbede. Heute hängt sie unter der Lakebrücke. Erol Koyunlulu via Facebook

Wo früher die Möwen auf dem Rohr hockten, stehen heute beim Drachenboot-Rennen die Zuschauer dicht an dicht auf der Lakebrücke zwischen dem Zollhäuschen und „In der Lake“. Jutta Gerhardt

Ihr Foto zeigt alte Versorgungsleitungen, die noch an der Stelle der bereits 1347 erstmals urkundlich erwähnten Herbeder Ruhrbrücke, die später Lakebrücke genannt wurde, über die Ruhr geführt werden. An gleicher Stelle wurde dann im Jahr 1984 die neue Lakebrücke für Fußgänger, Fahrradfahrer und Skater eingeweiht. Die Brücke ist auf der Strecke um den Kemnader See herum ein begehrter Weg. Auch ich habe bis vor ein paar Jahren diese Brücke gerne genutzt, um den See per Rad oder auch zu Fuß zu umrunden oder auch, um mal eben auf dem kurzen Weg von Heven nach Herbede zu gelangen. Manfred W. Schwandt

Statt Möwen kann man heutzutage an dieser Stelle einmal im Jahr viele Menschen sehen, die auf der Lakebrücke stehen und den Drachenbootlern beim Kampf um die Pokale der vom KCW ausgerichteten „Days of Thunder“ zusehen. An anderen Tagen wird die 1984 gebaute Fußgängerbrücke von Ausflüglern genutzt, um die Ruhr zu überqueren. Christina Wildvang

Hier war früher die alte Ruhrbrücke nach Herbede. Rechts im Bild sieht man noch den alten Brückenkopf und das Haus daneben steht heute noch. Früher war in diesem Haus eine Kneipe. In dem Haus in der Mitte ist heute noch eine Gastronomie. Rainer Kracht

Als die Herbeder Brücke erst gesprengt und dann auch noch einstürzte (mit Straßenbahn), musste anstelle des Kahns eine feste Verbindung her. Es wurde dann eine Stahlbrücke montiert, die lange im Dienst war. Die Verkehrsregelung erfolgte durch Ampeln. Der Fahrweg war aus Holz und rappelte, wenn man drüber fuhr. Als die Herbeder Brücke dann repariert war und die Straßenbahn wieder fuhr, wurde die Ersatzbrücke beseitigt. Zwischen den Buhnen konnte man schön in der Ruhr spielen. Klaus Marten

Das Rätselfoto zeigt die Hevener Lakebrücke zwischen Abriss und Neubau. Im Vordergrund links, jedoch nicht sichtbar, befindet sich das beliebte Ausflugsziel „Altes Zollhaus“. Die Rohrleitung und Sammelplatz der Möwen ist, beziehungsweise war, eine Versorgungsleitung für die auf der rechten Uferseite befindliche Brennerei Lohmann-Schücking-Sonnenschein.

Nachdem die eigentliche Herbeder Rückbrücke aufgrund von Kriegsereignissen eingestürzt und damit unbrauchbar war, wurde die Lakebrücke als Notverbindung zwischen Heven und Herbede errichtet. Sie verfügte über eine, beziehungsweise maximal zwei Fahrspuren für Pkw und andere Fahrzeuge sowie einen Fußgängerüberweg. Die Fahrspuren waren aus Rundhölzern bzw. Balken gebaut. Ein darüber fahrendes Fahrzeug erzeugte somit eine Höllenlärm. Hieran kann ich mich gut erinnern, da ich diese Brücke oft mit meinen Eltern überquert habe. Nachdem die eigentliche Herbeder Brücke zirka 1953 wieder in Betrieb genommen wurde, war die Lakebrücke zunächst überflüssig und wurde irgendwann abgerissen.

Viele Jahre war nur die einsame Rohrleitung sichtbar. Etwa Mitte 1983 wurde mit dem Neubau der heutigen Lakebrücke in Betonkonstruktion begonnen. Sie ist heute Bestandteil des Ruhrtalradweges. Harald Neuhaus

Bereits 1347 wird die Lakebrücke in einer Urkunde erwähnt. Im Laufe der Jahrhunderte wurde sie mehrfach zerstört, meistens durch Hochwasser oder Eisschollen. Sie wurde aber immer wieder aufgebaut, denn sie war eine sehr wichtige West-Ost-Verbindung vom Bochumer/Hattinger Raum nach Dortmund.

Nachdem 1934 wenige hundert Meter flussabwärts die neue Eisenbetonbrücke (Herbeder Brücke) und die Omega-Brücke in Betrieb genommen wurden, verlor die Lakebrücke ihre Bedeutung. Sie wurde 1942 abgerissen. 1947 wurde dort, nach Einsturz eines Teils der Herbeder Brücke, wieder eine Behelfsbrücke eingesetzt.

1984 erfolgte der Neubau als Fuß- und Radwegebrücke im Rahmen der Freizeitanlagen um den Kemnader See. Das kleine noch erhaltene Brückenwärterhäuschen ist eines der letzten Zeugnisse für ehemalige Zollstellen im Ruhrgebiet. Heute betreibt die Beschäftigungsgesellschaft Wabe dort die Gastronomie im Zollhaus.

WAZ-Bericht

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