Projekt für Langzeitarbeitslose läuft zum Jahresende aus

v.l.: Moritz Schneider (VHS), Irena Cichy (Wabe), Anke England (Stadt Witten), Stefanie Schubert (Kolping), Silke Wagner (Awo) und Reinhard Pach (BIWAQ). Foto: Jürgen Theobald
v.l.: Moritz Schneider (VHS), Irena Cichy (Wabe), Anke England (Stadt Witten), Stefanie Schubert (Kolping), Silke Wagner (Awo) und Reinhard Pach (BIWAQ). Foto: Jürgen Theobald

WAZ. Wer lange arbeitslos ist und dazu noch in einem benachteiligten Stadtviertel wohnt, der sollte durch das bundesweite Förderprogramm „Bildung, Wirtschaft, Arbeit im Quartier“ (Biwaq) bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt erhalten. Etwa durch Beratung oder Qualifizierung.

Rund 1,6 Millionen Euro sind in den letzten dreieinhalb Jahren dafür aus EU- und Bundesmitteln an die Stadt Witten für Annen und Heven-Ost/Crengeldanz geflossen. Die beteiligten Projektpartner – Stadt, VHS als koordinierende Stelle, Kolping-Bildungszentren Ruhr, Quabed (Qualifizierungs- und Beschäftigungsgesellschaft der Diakonie EN/Hagen), Awo und Wabe (Wittener Gesellschaft für Arbeit und Beschäftigungsförderung) – zogen nun Bilanz.

290 Menschen wollten die Projektpartner erreichen. „Teilgenommen haben 234“, sagt Moritz Schneider von der Volkshochschule. Das sei bei solchen Projekten eine gute Auslastung. Voraussetzung war lediglich ein Alter von mindestens 27 Jahren und länger als zwölf Monate arbeitslos zu sein.

„Was die Vermittlung in Arbeit angeht, sind wir hinter unseren Erwartungen zurück geblieben“, räumt Schneider ein. Lediglich 29 Menschen haben nach der Teilnahme an einem der vier Biwaq-Projekte eine Anstellung gefunden, 14 machen eine weitere Qualifizierung.

Startschwierigkeiten hatte etwa das Kolping-Bildungszentrum. Ursprünglich wollte man neben einer sechs Monate dauernden Qualifizierung zur Servicekraft im Gastgewerbe auch eine zwei Jahre dauernde Ausbildung zur Fachkraft für Küchen, Möbel und Umzugsservice anbieten. „Wir haben dann schnell gemerkt, dass die Teilnehmer damit überfordert waren“, berichtet Stefanie Schubert. Also strukturierte man um und bot stattdessen eine „Handwerkliche Grundqualifizierung“ an, die ebenfalls ein halbes Jahr dauert und auch in Teilzeit möglich ist. Diese sei gut angenommen worden.

Auch die Awo passte ihr Angebot „Huckepack“ im Laufe der Zeit an. Darüber sollten alleinerziehende Arbeitslose zurück ins Berufsleben finden. „Das hat nur bei etwa der Hälfte geklappt“, sagt Silke Wagner. Schnell habe man gemerkt, dass die Alleinerziehenden anderweitige Probleme hatten, häufig psychischer Natur.

„Damit stand dann erstmal die Stabilisierung der Menschen im Vordergrund“, sagt die 47-Jährige. „Das Schöne ist, wir haben viele Rückmeldungen erhalten, die sagen, dass die kleinen Teilschritte, die wir mit den Teilnehmern gegangen sind, sehr sinnvoll und auch nachhaltig sind.“

Annen und Heven-Ost/Cren­geld­anz er­hal­ten künf­tig bis 2020 Mit­tel aus dem NRW-wei­ten Pro­gramm „Zu­sam­men im Quar­tier – Kin­der stär­ken – Zu­kunft si­chern“.

In Annen setzt die Quabed ein Pro­jekt für be­nach­tei­lig­te Kin­der und Ju­gend­li­che um, in Heven/Cren­geld­anz die Awo.

Auch die Quabed ist von dem Ziel, in Arbeit zu vermitteln abgerückt. „Wir hatten Teilnehmer, die sehr weit weg waren vom Arbeitsmarkt“, sagt Reinhard Pach. Die Wabe hat 100 Menschen mit „Wir im Quartier“ Grundkenntnisse des Garten- und Landschaftsbaus vermittelt, die Teilnehmer hielten etwa den Rheinischen Esel sauber.

Am 31. Dezember läuft die Biwaq-Förderung aus. Ein Folgeantrag wurde abgelehnt. „Wir hoffen, dass sich die Botschaft „Du wirst gebraucht“ in den Köpfen festegesetzt hat und auch das Projektende überdauert“, sagt Koordinator Schneider.

WAZ-Bericht von Stephanie Heske

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