Wittenerin Autorin schreibt Gedicht über ihre Heimat

Einen anderen Blick auf die Heimat zeigt Sigrid Drübbisch ab 14. April im Zollhaus auch mit ihren Metallbildern von der Industriekultur an der Ruhr. Foto:Zabka
Einen anderen Blick auf die Heimat zeigt Sigrid Drübbisch ab 14. April im Zollhaus auch mit ihren Metallbildern von der Industriekultur an der Ruhr. Foto:Zabka

WAZ. Heimat – was ist das eigentlich? Ein Land? Eine Sprache? Oder nur ein Gefühl? Drei Autoren vom Literatur-Raum Dortmund-Ruhr wollten es genauer wissen und starteten ein weltweit einmaliges Projekt. Sie baten Schriftsteller aller Länder um ihre Beiträge zum Thema. Herausgekommen ist ein Buch mit 150 Texten aus aller Welt – darunter einer aus Witten.

Sigrid Drübbisch hat es mit ihrem Gedicht „Wortfetzen“ in den Sammelband geschafft. „Als ich von der Ausschreibung hörte, habe ich mich gleich angesprochen gefühlt“, sagt die 64-Jährige Wittenerin, die Mitglied im Dortmunder Autorenstammtisch ist.

Eine neue, eine weitere Definition von Heimat wollte Mit-Initiator Thorsten Trelenberg von den Autoren bekommen. Die Resonanz auf die Ausschreibung im Netz war riesig, nicht nur aus Deutschland. Aus Tunesien kamen Texte, aus Bulgarien, aus den USA. Von Menschen, die noch nie etwas veröffentlicht haben ebenso wie von namhaften und preisgekrönten Lyrikern wie SAID, Safiye Can oder Volker W. Degener. „Nach 500 Zuschriften haben wir den Aufruf gestoppt“, so Trelenberg. „Mit dem Material hätten wir noch einen zweiten Band füllen können.“

So aber blieb ihm und seinen Herausgeber-Kollegen Matthias Engels und Thomas Kade nur die Qual der Wahl. „Entscheidend für die Aufnahme ins Buch war einzig und allein die Qualität der Texte“, versichert Trelenberg. Einen Bonus für Mitglieder der Dortmunder Gruppe habe es nicht gegeben. „Das sieht man auch daran, dass bei weitem nicht alle ihre Texte berücksichtigt worden sind.“

Entsprechend stolz ist Sigrid Drübbisch, dass ihr Gedicht, das sie extra für den Sammelband verfasst hatte, ausgewählt worden ist. Der Begriff Heimat sei ja sehr belastet. „Da finde ich es besonders faszinierend, einmal neu drauf zu schauen, sich neu mit dem Wort auseinanderzusetzen“, sagt die Künstlerin, die sich in Witten nicht nur als Lyrikerin, sondern auch als Malerin und Krimi-Autorin einen Namen gemacht hat.

Nicht nur als Lyrikerin, auch als Malerin hat sich Sigrid Drübbisch mit der Heimat auseinander gesetzt. Einige ihrer Arbeiten unter dem Titel Ruhr(er)leben zeigt sie im Frühling im Zollhaus Herbede, Ruhrtal 1.

Die Vernissage dazu findet am 14. April um 15 Uhr statt. Zu sehen sein werden etwa zehn Industriekultur-Bilder in Mischtechnik auf Metall. Die Ausstellung zum 65. Geburtstag der Künstlerin läuft bis zum 7. Juli.

Und wo oder was ist Heimat nun für sie? „Heimat ist ein Ort, an dem ich mich gut fühle, an dem es nichts Negatives gibt. Das ist die Heimat in mir selbst“, sagt Drübbisch. In der 450 Seiten starken Anthologie mit 150 Beiträgen in 20 Sprachen – alle im Original und übersetzt – fühle sie sich mit dieser Sicht und ihrem Text gut aufgehoben. „Es ist ein sehr sensibles, vielfältiges Buch geworden.“

Und eines, das offenbar gut ankommt: Die erste Auflage ist bereits verkauft, die zweite wird gerade gedruckt.

WAZ-Bericht von Britta Bingmann

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