Radstation der Wabe eröffnet Wittens erstes Fahrrad-Café

Wabe-Chef Thomas Strauch (Mi.) begrüßt die ersten Radcafé-Gäste, Peter Apel und Simone Schmidt-Apel. Foto: Bastian Haumann
Wabe-Chef Thomas Strauch (Mi.) begrüßt die ersten Radcafé-Gäste, Peter Apel und Simone Schmidt-Apel. Foto: Bastian Haumann

WAZ. Nach dem schlechten Abschneiden Wittens beim jüngsten Fahrradklimatest (Note: 4,4) gibt’s nun wieder Erfreuliches für die Fahrradfahrer in der Ruhrstadt. Die Beschäftigungsinitiative Wabe hat am Freitag Wittens erstes Radcafé eröffnet.

Der Kuchen fehlt zwar, dafür gibt’s Würstchen und ein syrisches Büfett, als Leiter Frank Lodja den nach dem Wittener Hauptbahnhof und Zweibrücker Hof in Herdecke nunmehr dritten Standort der Radstation für eröffnet erklärt. „Das ist zwar kein Café im klassischen Sinne. Aber Radfahrer können gerne auf einen Kaffee vorbeikommen, um sich auszutauschen“, sagt er.

Lodja (53) ist der einzige Festangestellte der Radstation, die neun Langzeitarbeitslosen für fünf Jahre mit der Option auf zwei weitere Jahre Arbeit gibt – etwa Frank Lehnert, der gerade am Grill steht. „Super“ findet er die Filiale in der Augustastraße 36. „Die Raumaufteilung, es ist heller, alles optimal“, sagt der 57-jährige, der seit fünf Jahren bei der Radstation schraubt. Sie platzt seit ihrem Umzug aus der Bahnhofshalle in den Keller aus allen Nähten.

Nun, in den 200 m² großen Räumen eines früheren Elektrogeschäfts in der oberen Innenstadt, kann man nun vor allem die Verkaufsräder präsentieren. Alte werden instandgesetzt und zum Kauf angeboten, neben erstmals auch neuen Fahrrädern. „Ich finde das prima hier, weil die Kinder Räder brauchen. Sie wurden ihnen aus der offenen Garage geklaut“, sagt Ute Brüne-Cohrs (51), eine der ersten Besucherinnen an diesem Nachmittag.

Wabe-Chef Thomas Strauch (64) befürchtet nicht, dem kommerziellen Handel mit der durch öffentliche Mittel geförderten Radstation und ihrem jüngsten Ableger in die Quere zu kommen. Der Handel, der dank E-Bikes einen Boom erlebt, sei sogar froh, wenn sich die Wabe noch um andere Dinge kümmere, sagt Strauch. In der Radstation am Bahnhof kann man sich zum Beispiel Räder leihen. Die Waschanlage ist zum Radcafé gezogen, weil sie nun draußen stehen bleiben kann. Die neue Filiale hat auch eine größere, hellere Werkstatt – zusätzlich zum Reparaturbetrieb am Bahnhof.

„Witten wird immer mehr Fahrradstadt“, freut sich Fahrradbotschafter Andreas Müller (66) zur Eröffnung. Am 23. Mai wird dem Verkehrsausschuss das neue städtische Radkonzept vorgestellt. Es dürfte neben sicheren Radstreifen und Wegen mehr Abstellplätze vorsehen. Dann, sagt Müller, würden sicherlich mehr Leute ihren Drahtesel am Bahnhof parken, „wodurch längere Autofahrten vermieden werden“. Die Radstation, die in diesem Jahr 20 Jahre alt wird, vermietet ebenfalls Stellplätze. Doch es fehlen, so Müller, „mindestens 100“.

Noch wurden keine Einzelheiten des von zwei Planungsbüros erarbeiteten Radverkehrskonzepts bekannt. Es dürften aber Vorschläge der Bürger aufgenommen worden sein. Zu den bekannten Schwachpunkten zählen etwa der marode Fahrradweg entlang der Ruhr an der Herbeder Straße und deren letztes Stück Kopfsteinpflaster in Richtung City, der fehlende Radstreifen an der Ruhrstraße zwischen Gasstraße und Ruhrdeich-Kreuzung oder die Husemannstraße, wo der Radweg bergauf über den Bürgersteig führt. Dort könnte als erster Schritt ein Piktogramm auf der Straße Autofahrern zeigen: „Hier dürfen Radfahrer fahren.“ Es gibt noch viel zu besprechen im neuen Radcafé.

WAZ-Bericht von Jürgen Augstein-Peschel

 

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