WAZ: Wabe-Chefin will Rad-Tourismus attraktiver machen

  Wabe-Geschäftsführerin Melanie Purps am alten Zollhaus in Herbede. Dort können in den Räumen nach dem Hochwasser jetzt wieder Feierlichkeiten stattfinden.  Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services
Wabe-Geschäftsführerin Melanie Purps am alten Zollhaus in Herbede. Dort können in den Räumen nach dem Hochwasser jetzt wieder Feierlichkeiten stattfinden. Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services

WAZ. Seit Januar wird die Wittener Gesellschaft für Arbeit und Beschäftigungsförderung (Wabe) von einer Frau geführt. Melanie Purps folgte auf den langjährigen Wabe-Chef Thomas Strauch. Die 51-Jährige hat die ersten Monate für ihre Einarbeitung genutzt und viele Ideen entwickelt, um den Rad-Tourismus in Witten und der Region noch attraktiver zu machen.

Die Hagenerin möchte mehr junge Familien für den Ruhrtalradweg interessieren. Ranger der Wabe kümmern sich seit 2006 - immer von April bis Oktober - um die Instandhaltung des Ruhradweges, helfen Radlern bei Pannen und wissen immer, wo es langgeht. Familien mit kleinen Kindern möchte Purps zum Beispiel auch Lastenfahrräder anbieten, Touristen günstige Übernachtungsmöglichkeiten mit Event-Charakter - wie etwa ein Zelt, das auf einer Ladefläche eines kleinen Elektrofahrzeugs steht. Am von der Wabe bewirtschafteten Schleusenwärterhaus in Heven könnte sich Purps Schlafplätze in großen Kanalrohren vorstellen. „So etwas gibt es schon am Emscher-Weg.“ Auch kleine Blockhäuser oder Jurten aus Holz seien denkbar.

Wittener Stadtwerke und Wabe denken über Ladestationen für E-Bikes nach

Mit solchen Angeboten könnte Witten bei der Internationalen Gartenbauausstellung (IGA) 2027 punkten, meint die Wabe-Chefin. Sie möchte auch ihre Radstationen ausbauen. Neben denen am Wittener Hauptbahnhof und dem Herdecker Hotel Zweibrücker Hof hätte sie gerne noch welche an den Bahnhöfen in Wetter und Hagen, außerdem noch eine Station am Hengsteysee. Weitere Radstationen könnten jungen Familien auch kürzere Touren ermöglichen, sagt Purps.

Zusammen mit den Wittener Stadtwerken überlege man auch, zwischen Bochum-Dahlhausen und dem Hengsteysee bei Hagen Ladestationen für E-Bikes zu errichten. Wer den kompletten, 240 Kilometer langen Ruhrtalradweg von Winterberg bis Duisburg radeln möchte, kann heute schon einen Service der Wabe in Anspruch nehmen. „Unsere Mitarbeiter der mobilen Dienste transportieren auf Wunsch das Gepäck von Unterkunft zu Unterkunft.“

Am 18. August wird es ein Benefizkonzert am Schleusenwärterhaus geben

Was die Geschäftsführerin freut: 8000 Euro sind schon als Spenden für die Wabe-Gastronomie zusammengekommen. Das Hevener Schleusenwärterhaus und das alte Zollhaus in Herbede waren vor vier Wochen vom Ruhrhochwasser betroffen. Der Biergarten des Zollhauses an der Lakebrücke ist schon lange wieder geöffnet. Im historischen Gebäude können jetzt auch wieder Feierlichkeiten stattfinden. Das Wasser war ins Erdgeschoss gelaufen, auch in den Keller des Zollhauses. Die dort gelagerten Lebensmittel sowie Kühlgeräte waren nicht mehr zu retten.

Das Schleusenwärterhäuschen hat komplett im Wasser gestanden. Purps: „Der alte Lehmkeller ist immer noch nass.“ Im ganzen Haus stecke noch die Feuchtigkeit. Die Verlegung von Notstromleitungen machte es möglich, dass der Biergarten-Betrieb wieder anlaufen konnte. Am 18. August wird Charlie Hallan, Ex-Drummer der Bands „Berlin“ und „U2“, von 18 bis 20 Uhr ein Benefizkonzert am Königlichen Schleusenwärterhaus geben.

Rund 80 langzeitarbeitslose Frauen und Männer werden qualifiziert

Die Wabe ist ein kommunales Beschäftigungsförderungs-Unternehmen. Die Stadt Witten ist mit 51 Prozent Hauptgesellschafter, zweitgrößter Gesellschafter sei der EN-Kreis (16 Prozent), sagt Purps. Die Wittener Wabe, betont sie, habe sich bislang selbst getragen, keine städtische Förderung erhalten. Für das Coronajahr 2020 bekommt die Wabe Geld aus dem städtischen Haushalt. Purps hofft darauf auch für das Jahr 2021.

Neue Wabe-Geschäftsführerin studierte soziale Arbeit

Witten. Die neue Geschäftsführerin der Wittener Wabe, Melanie Purps, ist gebürtige Hagenerin. Sie hat zwei erwachsene Kinder, einen Sohn und eine Tochter. Purps saß 27 Jahre für die CDU als Ratsfrau im Hagener Stadtparlament. Zwölf Jahre - bis Ende 2020 - war die 51-Jährige Vorsitzende des Trägervereins für das bürgerschaftliche Engagement und Ehrenamt der Stadt Hagen.

In dieser Funktion hat sie sich ab 2015 auch für Patenschaften für geflüchtete Menschen stark gemacht. Mit einem Netzwerk können Geflüchtete in Hagen in Ausbildungs- und Arbeitsplätze vermittelt werden. Ab 2018 hat Melanie Purps soziale Arbeit an der Fachhochschule Dortmund studiert und dies mit einem Bachelor abgeschlossen.

Rund 80 langzeitarbeitslose Männer und Frauen nehmen derzeit an Wabe-Maßnahmen teil. Diese sollen ihnen den Wiedereinstieg in den ersten Arbeitsmarkt erleichtern. Eine Vermittlung von vormals langzeitarbeitslosen Menschen in eine reguläre Beschäftigung gelinge jedoch nicht häufig - nur in etwa zehn Prozent der Fälle, sagt Geschäftsführerin Melanie Purps. Und dies, obwohl die Menschen nach der Qualifizierung gut ausgebildet seien, arbeiten und finanziell selbstständig sein wollten.

Wabe fürchtet, im nächsten Jahr weniger Geld zu erhalten

Möglich werden die von der Wabe angebotenen Maßnahmen durch Gelder des Jobcenters EN und des Europäischen Sozialfonds (ESF). Melanie Purps rechnet damit, dass die Fördergelder aus dem EN-Kreis im nächsten Jahr geringer ausfallen werden als bislang. Warum? „Ich denke, dass die Landesregierung sich auf den Bereich Ausbildung konzentrieren wird.“ Sollte die Wittener Wabe deshalb weniger Geld erhalten, „könnten wir weniger Menschen qualifizieren“.

WAZ-Bericht von Jutta Bublies vom 10. August 2021

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