12.06.2014: Frauen lernen das Fahrradfahren

Synzanna Yeghyan (M.) freut sich mit den anderen über ihre erste Fahrradurkunde. Foto: Ferry Radix Ruhr Nachrichten. Fahrradfahren lernen. Das gehört in Deutschland zum Aufwachsen, wie krabbeln, gehen, laufen. Weil das nicht überall so ist, haben die Caritas und die Radstation der Wittener Gesellschaft für Arbeit und Beschäftigungsförderung (Wabe) 16 Frauen das Radfahren beigebracht - Fahrrad und Helm inklusive.

„Im Irak dürfen Frauen nicht Fahrrad fahren. In Deutschland kann ich es endlich lernen“, sagt die 20-jährige Zaman Adel-Hassan. Die Herkunftsländer der Frauen sind bunt gemischt. Die zum großen Teil zugewanderten Teilnehmerinnen stammen unter anderem aus Tunesien, Polen, Georgien, Irak und Syrien.

Das Radfahren haben viele in ihren Heimatländern nie erlernt. Oftmals weil es Frauen für verpönt oder sogar verboten war. Einige hatten schon Grundkenntnisse, so wie Annegret Schömann, die einzige Deutsche im Kurs: „Geld für ein Fahrrad habe ich nicht, weil ich arbeitslos bin. Aber jetzt kann ich endlich mit meinem Sohn über den Rheinischen Esel fahren.“

Dankbar sind die Frauen und die Organisatoren der Caritas und der Wabe vor allem auch wegen der Spendenbereitschaft: „Nach unserem Aufruf gingen bereits innerhalb von wenigen Tagen über 40 Radspenden ein. Dass so viele Menschen bereit sind zu helfen, haben wir nicht erwartet. Den Spendern gilt unser größter Dank“, sagt Caritas-Mitarbeiterin Hanna Dziuba.

Seit März haben sich die lernwilligen Frauen und die ehrenamtliche Kursleiterin Renate Zinke jeden Donnerstag getroffen und auf einem Trainingsgelände der Wabe in der Marienstraße geübt. „Nach einem Theorieteil ging es zuerst auf Laufräder, um das Gleichgewicht zu trainieren. Anschließend wurde mit simulierten Verkehrssituationen auf den Fahrrädern geübt“, so Dziuba.

So viele Nationalitäten, wie es in der Gruppe gibt, so viele Leistungsniveaus gibt es auch beim Fahrradfahren: Anna Sieroslawska aus Polen ist schon Fortgeschrittene und kaum zu bremsen: „Vergangene Woche habe ich schon eine Fahrradtour Richtung Sprockhövel gemacht.“

Die Aussprache des Zielortes fällt ihr dabei deutlich schwerer, als das einhändige Fahrradfahren wenige Minuten später. Irma Glunchadze aus Georgien ist erst seit drei Wochen dabei, saß vorher noch nie auf einem Fahrrad.

„Dafür geht`s“, sagt sie schmunzelnd. Auf dem Übungsparcours bewegt sie sich schon erstaunlich sicher auf dem Zweirad. „Es ist unglaublich, wie schnell die Frauen gelernt haben. Wir machen bereits erste kleine Radtouren auf dem Rheinischen Esel“, so die Kursleiterin Zinke.

Das geschenkte Fahrrad, der Helm und die Urkunde - vor allem aber die Möglichkeit mobil zu sein: Für diese Frauen bedeutet es Freiheit.

Bericht aus den Ruhr Nachrichten von Ferry Radix

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