11.11.2013: Fährleute grüßen von der Ruhr

Die Teilnehmer des 26. Deutschen Fährleutetreffens auf der Hardenstein-Fähre. an der Anlegestelle Schleusenwärterhäuschen gegenüber der Burgruine. Foto: Walter FischerWAZ. Erstmals kamen die Vertreter des alten Berufsstandes zum traditionellen Treffen nach Witten. 50 Fährleute waren zu Gast. Wegen des Hochwassers konnten sie die Hardenstein-Fähre nur besichtigen, aber nicht übersetzen.

Wenige Berufe wecken so viele romantische Assoziationen wie der des Fährmannes. Wer denkt bei dieser Berufsbezeichnung nicht sofort an den Mann aus dem Märchen, der dem gierigen König seine Fährstange in die Hand drückt und ihn so zu ewiger Fronarbeit zwingt? Oder – klassischer – an den Fährmann Charon, der in der griechischen Mythologie die Toten in den Hades übersetzt? Zurück im Hier und Jetzt, beim diesjährigen Treffen der Fährleute, verflogen derlei romantische Anwandlungen schnell.

Über 300 Fähren gibt es zurzeit in Deutschland, von der kleinen Holz- bis zur großen LKW-Fähre auf der Elbe. In diesem Jahr richtete erstmals Witten diese Veranstaltung aus, die bereits zum 26. Mal stattfand und diesmal rund 50 Teilnehmer zählte. Christoph Heemann, Chef-Fährmann der Ruhrtalfähre der Wabe, hatte die Zusammenkunft von langer Hand organisiert und freute sich, die Kollegen zum dreitägigen Programm begrüßen zu können. Das ließ neben Vorträgen und Besichtigungen auch jede Menge Gelegenheit zum persönlichen Erfahrungsaustausch.

Niels-Uwe Sass aus Schleswig-Holstein steuert ein ganz besonderes Gefährt: Die historische Fähre Kronsnest ist die kleinste ihrer Art in Deutschland und die einzige handbetriebene. Schon seit 1576 werden hier die Passagiere durch „Wriggen“ übergesetzt, eine Technik, bei der der Fährmann einen Riemen ähnlich wie eine handbetriebene Schiffsschraube einsetzt. Der norddeutsche Fährmann war in diesem Jahr schon zum 18. Mal dabei und erklärt: „Dieses Jahrestreffen, das reihum von allen Fährstellen organisiert wird, geht auf eine private Initiative zurück, da steht keine Organisation dahinter. Das Ganze funktioniert ausschließlich über persönliche Kontakte.“

Das Treffen wurde übrigens 1987 von der Fährfrau Brigitte Müller ins Leben gerufen – Frauen sind in diesem Beruf schon lange keine Seltenheit mehr. Auch die Wittener Ruhrtalfähre wird nicht allein von Männern gesteuert: Carola Köster ist bereits seit mehreren Jahren begeisterte Schiffsführerin, wie die korrekte Berufsbezeichnung lautet. „Ein toller Beruf! Es macht riesigen Spaß, und die Zusammenarbeit mit den männlichen Kollegen funktioniert bestens.“ Um den Fährführerschein zu erwerben, musste sie damals, ähnlich wie beim Auto-Führerschein, Theorie und Praxis lernen, die Prüfung nahm dann die Bezirksregierung ab.

Am Samstag blieb die Hardenstein-Fähre leider am Ufer – wegen des Hochwassers wäre der Betrieb zu gefährlich gewesen. Die Gäste mussten sich mit einer Besichtigung begnügen, ließen sich aber die gute Laune nicht verderben.

Als Laie kam man aus dem Staunen kaum heraus, wie viele verschiedene Arten von Fähren es gibt. Hans Schubert und Reinhold Schumann waren aus Pettstadt in der Nähe von Bamberg angereist und erläuterten das technische Prinzip der Pettstädter „Zieh- und Gier-Fähre“: „Diese motorlose Fähre funktioniert mit reiner Wasserkraft, sie wird von der Strömung über den Fluss gezogen. Damit sie nicht abgetrieben wird, hängt sie an einem Stahlseil, das wiederum an einem quer über die Regnitz gespannten Seil befestigt ist.“ Kein Wunder, dass die Regnitz-Fähre, die seit 1461 betrieben wird, eine echte Touristenattraktion ist. Eine Fährstange braucht man jedenfalls nicht. Vielleicht hätte der König damals lieber hier übersetzen sollen ...

WAZ-Bericht von Cordula Rode

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